HERREN – Irrungen, Wirrungen

HERREN – Irrungen, Wirrungen

22:25, 21:25, 25:23, 18:25

Im Kreis. Am Ende hockten wir alle im Kreis. Sezierten unsere Unbedarftheiten und Kümmernisse. Ziemlich lange. Sogar verdammt lange, wenn man bedenkt, dass wir das so in den letzten zwanzig Jahren fast nie gemacht haben. Es ging weniger ums Spiel. Auslöser waren hauptsächlich die Ereignisse und Abläufe davor. Irrungen und Wirrungen in allen Belangen. Eine dermassen chaotische Vorbereitung gilt es künftig zu vermeiden.

Kurz vor Viertelvor. Man formiert sich zur gemeinsamen Einspielübung. Konzentration ist gefragt. Doch die lungert wohl irgendwo in der Sporttasche zwischen den frischen Socken und Unterhosen herum. Unentwegt ruft jemand etwas dazwischen. Von wegen Lizenzen. Und apropos Spielernumero. Und überhaupt. Einer will gerade einen Pass spielen – „welche Nummer hast du?!“ Einer will gerade zum Smash ansetzen – „hast du deine Lizenz schon hingelegt?“. Der Ball fällt zu Boden. Wiederholt. Unnötigerweise. Man will in der Aufstellung rotieren – „ja, haben wir denn eigentlich zwei Zahnds in der Mannschaft?!“ Jawoll, haben wir. Schön stellt man das jetzt fest. Einer will den Ball wieder einwerfen. Kommt der Schiri und fragt nach der Messlatte. Erneutes Durcheinander. Gottseidank pfeift der Schiri bald zum Einschlagen. Der Libero versucht, ein paar Bälle zu verteidigen. Schreit der Captain: «Bitte unterschreib das Matchblatt, du bist heute Coach.» Hä, wieso denn? «Ist jetzt einfach so, unterschreib!» Leicht verwirrt beim Schreiberpult angekommen: «Nein, du bist nicht Coach, Tim ist als solcher eingetragen.» «Tim! Tiiiimm! Unterschreiben!»

Voilà. Eine an Hektik und Wirrnis kaum zu überbietende Matchvorbereitungsphase. Saumselig. Nervös. Ohne Fokus. Ob sie sich auf das Spiel abgefärbt hat? Der erste Service landet mit Marge im Netz. Die erste Abnahme spickt weg, vom Libero höchstpersönlich. Der erste Angriff küsst heftig die Rückwand. 0:3 hinten. Wenig später entschwebt ein Gratisballs an die Heimspieldecke. Ein verkackter Start. Einmal mehr. Und ihm sollten weitere folgen. Wir basteln da bereits an einer Legende. Besonders miserabel gerät jener vom zweiten Satz. Immerhin folgte dann jeweils die grosse Aufarbeitungsphase, die uns fast wieder in Kuscheldistanz zum Gegner brachte. Wir sind die Sieger der zweiten Hälfte. Das ist auch etwas.  

Und das sonstige Spiel? Eigentlich gar nicht so schlecht. Jedenfalls sehr intensiv. Mit tollen Ballstafetten, inklusive unmöglicher Verteidigungsgriffe und flotter Angriffsschläge. Und das gegen einen sehr gefestigten Gegner mit geschickt agierenden Angreifern. Oder wir vielleicht einfach mit einem ungewöhnlichen Blockschatten? So zwischen Position 1 und 6, auf einer Höhe von sechs bis acht Metern sollte lehrbuchmässig unberührt-schattiges Gebiet sein. Eigentlich. Statt eines dunklen Schattenlochs knisterte hier häufiger ein helles Lagerfeuer. Punkte für den Gegner.

Zuletzt der Service. Mehrmals zwei, drei oder gar vier hintereinander verschlagen. Mit Risiko? Falls ja, möchte man lieber kein Risiko nehmen. Aber was ist die Kehrseite davon? Es gibt da gewisse Kopplungen. Auch daher der Kreis. Nicht nur Abläufe und Zuteilungen regeln. Auch spielstrategische Klarheiten schaffen. Dann Ruhe installieren, Fokus steigern. Immersion ins Spiel.   

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