HERREN – Traditionsbruch

HERREN – Traditionsbruch

25:19, 25:22, 25:20

Was war denn mit Muristalden los? Normalerweise treten die mit einer stimmungsvollen Herde von mindestens einem Dutzend Spieler an. Und vor allem verlieren wir die Spiele gegen Muristalden grundsätzlich und immer mit 2:3 Sätzen. Das war sozusagen die inoffizielle Abmachung seit wir aufgestiegen sind. Auch in der Vorrunde hielt man sich noch daran: nach 0:2 Satzrückstand durften wir zuerst zwei Sätze für uns beanspruchen, bevor Muristalden den Sack zumachte. Nicht so letzte Woche. Die acht angetretenen Muristaldener mussten sich den Schweiss unter der Dusche ohne Satzgewinn im Rücken abspülen.

Gut, vielleicht muss man die Frage ja umkehren: Was war denn mit uns los? Dass wir uns erdreistet haben, die bewährten Gültigkeiten zu ignorieren und gegen den einzigen städtischen Nachbarn einen historischen Sieg davonzutragen – und ihn notabene auch gleich noch in das extensivierte Tummelfeld an der unteren Tabellenhälfte miteinzubeziehen.

Von den unglaublich netten Schreiberinnen bekamen wir nach dem Spiel gesteckt, dass sie den Gegenpart belauscht und mitbekommen hätten, wie dieser insbesondere über unsere starke Defensive lamentiert habe. Da ist vermutlich etwas dran. In den letzten Spielen gelang es uns vortrefflich, mit rascher und energischer Blockarbeit den Angriff ennet dem Netz weitgehend zu neutralisieren. Gleichzeitig besitzt in unserer Hinterstellung längst nicht nur der Libero reaktionsschnelle Froschschenkel, mittlerweile ist das leistungsstarke Abwehrverhalten bis zu unseren Passeuren vorgedrungen.

So langsam aber sicher darf sich die im Spätsommer bunt zusammengewürfelte Truppe als eingespielt bezeichnen. Abläufe und Abstimmungen sind inzwischen soweit kalibriert, dass auch unser präsidentialer Oldie, der sonst immer ein bisschen Anlaufzeit benötigt, kurz vor Schluss reinkommen und gleich rumhacken kann. Und gerade die jugendlichen Neuzugänge kümmern sich erfrischenderweise nicht um belastende Vorgeschichten. So entsprang der zweite lupenreine Erfolg hintereinander, und zwar indem wir folgende drei unterschiedliche Anleitungen zum Gewinn eines Satzes befolgten:

1. Variante Effizienz: Man versorge sich gleich zu Beginn mit einem kleinen, aber feinen Polster. Dieses pflege man sorgfältig bis zum Ende. Je nachdem wird der Opponent bereits vorzeitig einknicken.   

2. Variante Lauerstellung: Man gönne sich zunächst einen Abstand von wenigen Punkten. Hernach lege man sich eine abgestimmte Mischung aus Zurückhaltung und Beharrlichkeit auf, um diesen Abstand zu wahren und gleichzeitig den Opponenten in Sicherheit zu wähnen. Wenn es zur entscheidenden Phase kommt, lasse man die Tarnung fallen und überrumple den verblüfften Gegner.

3. Variante Finte: Man lege einen dominanten Start hin und baue die Führung sofort aus. Ungefähr kurz nach Satzmitte gestatte man dem zermürbten Gegner die Aufholjagd, damit er wieder an Zuversicht gewinne. Die Hoffnung durch die erstmalige Führung wird ihn nachlässig werden lassen. Das ist der Moment, um erneut zuzuschlagen. (Dieser letzte Schritt funktioniert nachweislich ohne zusätzliche Auswechslungen).

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