HERREN – Once upon a time im Spiezwiler

HERREN – Once upon a time im Spiezwiler

27:25, 23:25, 23:25, 25:20, 11:15

Ja, früher da konnte man sich seinen Fahrer bei entlegenen Auswärtsspielen noch aussuchen. Heute sind wir zu einer Ökofunditruppe mutiert, deren Mitglieder verzweifelt darauf hoffen, dass ihnen eine Mitfahrgelegenheit verliehen wird. Gerade mal einen Chauffeur konnte die Academy aufbieten, der dann aufgrund der übergrossen Nachfrage noch Leute ausladen musste…. Henu, dafür kamen die zu Fuss gehenden in den Genuss einer herrlichen Frühlingswanderung vor filmreifer Bergkulisse.

Am Set angekommen, stellte sich aber rasch heraus, dass man sich nicht gerade im Land des Honigs befand. Schon die ersten Punkte offenbarten, dass dies eine enge Angelegenheit würde: Praktisch jeder Ballwechsel war äusserst umstritten, die Spielzüge trickreich animiert oder aufgemotzt mit sehenswerten Stunts. Die angriffslustigen Irishmen droschen auf die Bälle, um schnellstmöglich den nächsten Cut zu erzwingen, während in der Mitte die Blockbuster wirkten. Es war eine Partie, die sich fast permanent auf Messers Schneide abspielte, von einer Intensität, die einen so richtig packt und mitreisst. Vieles entschied sich auf mentaler Ebene.

Die Auszeichnung für das beste Drehbuch ging an die ersten zwei Sätze. Da kamen beide Mannschaften je einmal in den Genuss, wie es sich anfühlt, einen mindestens zehn Punkte betragenden Vorsprung gleich einem Jojo-Effekt herzugeben und dann doch in einem Herzschlagfinale die Oberhand zu behalten. Im ersten Akt war dies uns vorbehalten. Die Nervosität war regelrecht greifbar, nachdem wir den komfortablen Vorsprung durch verschiedene Fahrlässigkeiten losgeworden waren und uns mit dem Stand von 24:24 konfrontiert sahen. Gerade noch rechtzeitig setzten wir unseren Joker. Im zweiten Satz lagen dann wir ohne ersichtlichen Grund massiv zurück, bevor wir nun wie Phoenix aus der Asche stiegen und den Gegner nochmals in arge Bedrängnis brachten. Aber auch uns wollte der Turnaround nicht gelingen.

Danach erhöhte Spiez zunehmend die Zuschauerquote und damit auch den Lärmpegel. Die Intensität nahm nochmals zu. Wir gaben uns aber trotz der zahlen- und lautstärkemässigen Unterzahl noch lange nicht geschlagen, nisteten uns ein wie ein Parasite in seinem Wirtskörper. Obwohl wir den dritten Satz wiederum ganz knapp verloren hatten und im vierten dann stets ein wenig Verfolgungsjagd spielen mussten, glaubten wir Gegen jede Chance an unser Glück. Es war gefühlt 19:17, als wir quasi in einem Schnitt durchmarschierten und den Ausgleich herstellten.

Da dies aber nun einmal keine Heiratsgeschichte war, musste das stand-off beseitigt werden und jemand alleine obsiegen. Am Ende fehlte uns wohl das berühmte letzte Quentinchen an Energie und Glück. Denn nach dem 8:8 gönnten wir dem Gegner eine Fünfpunkteserie, die im Grunde die Entscheidung herbeiführte. Leid und Herrlichkeit liegen eben oft nahe beieinander. Der eine gewonnene Punkt sowie die von ein paar Servicefehlern abgesehen starke Leistung stimmten uns aber doch ganz zufrieden. Und immerhin erhielten wir vom Schiedsrichter nach Spielschluss den Oscar für Fairness zugesprochen, was uns natürlich ungemein berührt hat. Wir können dieses Kompliment nur zurückgeben und ihm das Goldmännchen für Coolness verleihen – denn trotz der langen, intensiven und zwischenzeitlich auch hitzigen Kiste, blieb dieser immer ganz ruhig und gelassen.

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