HERREN – Geisterspiel und geilstes Spiel

HERREN – Geisterspiel und geilstes Spiel

26:28, 22:25, 19:25

25:22, 25:15, 13:25, 25:19

Geisterspiele sind bei uns eigentlich gang und gäbe. Wir tun das ja für uns, wozu also Zuschauer aufbieten. Fast noch geisterhafter scheint es, wenn man selbst nicht dabei ist. Wenn man zuhause sitzt und sich ständig fragt, wie’s wohl gerade läuft, was der Spielstand ist, ob sich die Jungs denn auch wirklich Mühe geben. Und überhaupt, woher weiss ich eigentlich, dass sie tatsächlich gespielt haben?

Wie mir zu Ohren kam, hat man sich in Schwarzenburg schön brav an die Empfehlungen des Verbandes gehalten und auf das Händeschütteln verzichtet. Gegen Vorsichtsmassnahmen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber was soll das eigentlich, wenn gleich anschliessend sämtliche Spieler mit ihren potenziell verseuchten Pfoten auf ein und denselben Ball eindreschen? Bei jedem Service, bei jedem Zuspiel und bei jedem Angriff schmiert der betreffende Spieler seine Oberflächenkultur lustvoll am Ball ab. Und bei jedem Seitenwechsel nimmt der Schiri, der soeben noch seine verspuckte Pfeife in der Hand hielt, den Ball zu sich, um ihn auch noch ein wenig zu tätscheln. Nach einem solchen Spiel könnten die mittlerweile auf der Spielkugel angehäuften Viren und Bakterien dort gleich ihre HV abhalten…

Nun gut, sei’s drum. Volleyball verbindet eben. Offenbar hat man anschliessend auch gespielt, und das recht ordentlich. Gegen den Leader Schwarzenburg waren an sich keine Punkte budgetiert. Gebrauchen hätte man sie angesichts der Tabellensituation trotzdem können, und im ersten Satz hätten wir tatsächlich fast die Burg erklommen. Angeblich verfügten die dezimiert angereisten Liebefelder gegen Satzende über einige Punkte Vorsprung und dazu noch über mindestens einen Satzball. Das muss den nicht unangefochtenen Leader doch zumindest nervös gemacht haben. Auch im zweiten Umgang schien man immerhin dran zu sein. Danach spielte der inzwischen zum Ligaersten gekrönte Gegner die Sache wohl einigermassen souverän runter. Zero points für uns also.

So trat letzten Mittwoch jene Situation ein, die man sich als Spieler so unglaublich herbeisehnt: Dass man im allerletzten Spiel der Saison und dazu noch auswärts gegen einen unmittelbaren Tabellenkonkurrenten um den Ligaerhalt spielen darf. Solcher Nervenkitzel lässt das Herzkranzgefäss ganz ordentlich anschwellen. Thun hinterliess schon beim Einspielen einen sehr jugendlichen und impulsiven Eindruck. Da hatte jemand Lust, auf Risiko zu gehen. Das bekamen wir im ersten Satz zunächst deutlich zu spüren. Während unsereins noch eher zaghaft nach dem Feintuning im Zusammenspiel suchte, agierten die Thuner sehr schnörkellos. Nicht nur mit ihren Sprungservices, sondern besonders mit ihren geschickt platzierten Angriffsbällen, die gewollt den Block suchten und zwar in einem Winkel, dass die Bälle unhaltbar weit davonflogen. Dieser Taktik wurden wir im wortwörtlichen Sinne nicht richtig habhaft. Mal ums Mal spedierten unsere Blocker den Ball unbeabsichtigt ins rückseitige Aus, bis wir dann ziemlich arg im Hintertreffen lagen und beim Stand von 12:20 wohl gedanklich schon an den taktischen Anpassungen für den kommenden Satz feilten.

Ohne einen ersichtlichen Auslöser (vielleicht war es einfach die Jetzthabenwirnichtsmerhzuverlieren-Mentalität) stellten wir die Verhältnisse in diesem Satz völlig auf den Kopf. Punkt für Punkt näherten wir uns dem Gegner und erhöhte sich zugleich mit wachsender Zuversicht unser Stimmungsbarometer, dem wir auch ordentlich Ausdruck verliehen. So begaben sich schliesslich doch die Thuner geknickt in den Seitenwechsel. Die wiederentdeckte Stimmung und den famosen Zusammenhalt verlängerten wir sogleich für den zweiten Satz, wo wir uns in einen kleinen Rausch spielten. Alles lief rund, wir wussten den gegnerischen Angriff immer besser zu neutralisieren und setzten gleichzeitig unsere Akzente auf allen drei Angriffspositionen – wobei diesmal besonders den Mitteleuten ein Kränzchen gewindet werden soll!

Mit den zwei gewonnen Sätzen befanden wir uns im Besitz eines Punktes, der möglicherweise schon zum Ligaerhalt gereicht, uns zumindest in eine wesentlich bessere Ausgangslage versetzt hätte. Vielleicht war das wiederum der Auslöser dafür, dass wir im dritten Satz regelrecht korrodierten. Die Luft war draussen (das konnte wohl auch der Darm unseres Sunnyboys behaupten), Konzentration und Willensstärke hatten kurz eine Pause eingelegt, Servicefehler und Abstimmungsschwierigkeiten sich eingenistet, die tolle Stimmung verflogen. Am Ende konnte hier Thun ohne allzu grosse Anstrengung einen Kantersieg einfahren. Doch irgendwie schien diese Watsche nicht annähernd für so dicke Luft zu sorgen, wie die üble Furzerei des oben genannten. Es schien allen klar zu sein, dass einfach eine kleine Verschnaufpause vonnöten gewesen war. Um wieder richtig durchstarten zu können und den Gegner beschäftigt zu halten, wechselten wir nun Chrigu für Grischa auf der Diaposition ein. Dazu holten wir erneut unsere superbe Stimmungsmaschinerie hervor und kämpften unaufhaltsam miteinander und füreinander für den definitiven Ligaerhalt. Thun war nicht mehr in der Lage, Paroli zu bieten. Oder etwa doch? Eine Merkwürdigkeit trug sich ganz zum Ende hin zu, wie man es auch noch selten erlebt hat. 24:11 betrug unsere Führung. Die Sache war eigentlich gegessen, vorbei, abgehakt. Und doch wollte dieser eine Punkt sich partout nicht einstellen! Nicht dass wir wahnsinnig schlecht gespielten hätten. Einige Male agierte Thun stark, einige Male verfehlten wir einfach knapp den Punkt. Acht (!) Matchbälle liessen wir also passieren. Nervös wurden wir trotzdem nicht, wir hatten ja noch weitere fünf … Am Ende war’s irgendein vermurkster Spielzug, der uns doch noch mit dem 3:1 Sieg honorierte. Eine starke Teamleistung als krönender Abschluss der Saison!

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