HERREN – Der Fünfakter

HERREN – Der Fünfakter

23:25, 25:22, 30:28, 22:25, 9:15

Ort: Turnhalle Spiegel bei Bern
Dauer: 2h07

Rollen:                                       Besetzung: 
Drei Muskeltiere                              Bäschtu, Yannis, Stefu 
Zwei blonde Blocker                           Micha, Jonas 
Zwei göttliche Mundschenks                    Hogi, Adrian
Ein verkrampfter Typ                          Matter
Ein verspäteter Typ                           Tim
Ein Souffleur, zugleich ominöser Wechsler     A. Loi  
Ein wikingerhafter Invasor                    Spiez
Statisten: Ein Unparteiischer, zwei Schreiberlinge, drei Publikumsvertreter   

Prolog:

Ein verspäteter Typ: „Hey Leute, ich bin…“
Alle anderen: „Schon klar. Schick einfach deine Lizenz per Whatsapp und beweg deinen Hintern!“
Zwei Minuten vor dem Vorhang: Auftritt des verspäteten Typen. Allgemeines Hallo.

1. und 2. Akt: Exposition

Von der anderen Seite der Bühne erklingt archaisches Gebrüll: Der Invasor Spiez tritt in die unmittelbare Vorbereitungsphase ein. Auftritt der drei Muskeltiere, der zwei blonden Blocker, eines göttlichen Mundschenks und des verkrampften Typen. Lockere Stimmung: heute muss man nicht, heute darf man. Nach wenigen Minuten verlässt der verkrampfte Typ nicht ganz so locker die Bühne, zieht den Schuh aus, hält sich den mittleren Zeh und frisst Schokolade. Ein blonder Blocker nickt zufrieden. (Er tut es nicht, als der unverkrampfte Typ Anfang des zweiten Aktes zurückkehrt.)
Die Handlung entspinnt sich im Übrigen sehr ausgeglichen und noch relativ ruhig. Von Zeit zu Zeit folgen sehenswerte Drohgebärden. Der Souffleur flüstert hie und da. Die beiden Hauptakteure sind gut einstudiert und teilen sich vorerst den Bühnenerfolg.

3. Akt: Klimax

Auftritt des verspäteten Typen, rechtzeitig zum Höhepunkt. Ein Muskeltier geht dafür ab. Das Geschehen spitzt sich mehr und mehr zu, eine Kulmination bahnt sich an, keine Partei will nachgeben. Das Zusammenspiel der handelnden Personen intensiviert sich: Der Mundschenk beliefert göttlich die Muskeltiere, die ihre Muskeln geräuschvoll spielen lassen, derweil die blonden Blocker unermüdlich die gegnerischen Palisaden fesseln und selber dichthalten. Der inzwischen Unverkrampfte erkämpft sich einen blutenden Unterarm. Das Publikum tobt. Doch der Invasor hält standhaft dagegen, beansprucht sogar eine deutliche Mehrheit der Satzbälle. In schier unglaublicher Dramatik wogt die Treiberei hin und her bis zur finalen Ekstase, der Erlösung.

4. Akt: Wende

Auftritt des anderen göttlichen Mundschenks. Die Rädchen greifen weiterhin ineinander, die Woge wird beritten. Auf einmal, unmerklich, beginnt die Szenerie zu kippen. Fehler und Ungenauigkeiten schleichen sich vermehrt ein, besonders viel bleibt am feinmaschigen Vorhang hängen. Immer mehr Selbstverschuldetes. Die Nerven beginnen zu flattern, das Drehbuch wird nicht mehr konzentriert befolgt. Hinter den Kulissen rumort es. Wechselrufe erklingen. Der Souffleur gestikuliert. Sehr kurzer, unglücklicher Auftritt des ominösen Wechslers. Zu spät.

5. Akt: Katastrophe

Die logische Fortsetzung eines nun schon fast zwei Stunden dauernden Geschehens, das weder Tiefen noch Einseitigkeiten kennt, steuert auf ein tragisches Ende zu. Weil die Verhältnisse auf einmal deutlich, sprich einseitig sind. Die handelnden Personen scheinen apathisch. Die ersten paar Zeilen des fünften Akts verlaufen noch ganz zuversichtlich, doch beim Seitenwechsel sind die Weichen plötzlich gestellt. Es erfolgt der zweite kurze, diesmal aber geglückte Auftritt des ominösen Wechslers. Zu spät. Enttäuschte Stimmung: heute hätte man nicht gemusst, aber heute hätte man gekonnt. Trotzdem: eine tolle Vorstellung!

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